Deir al-Balah

Die Karte zeigt das Gouvernement Deir al-Balah im mittleren Teil des Gazastreifens und seine Umgebung - eingebunden über Wikimedia Commons
Überblick
Deir al-Balah ist eine palästinensische Stadt im Gouvernement Deir al-Balah. Sie liegt zentral im Gazastreifen zwischen Khan Junis und 19 Kilometer südwestlich von Gaza-Stadt und 1,5 Kilometer von der Mittelmeer-Küste entfernt. Die Stadt ist für ihre Dattelpalmen bekannt, nach denen sie benannt ist. Deir al-Balah hatte 2017 laut dem Palästinensischen Zentralamt für Statistik 75.132 Einwohner. Die gesamte Bevölkerung von Deir al-Balah ist inzwischen muslimisch. Bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine beträchtliche griechisch-orthodoxe christliche Bevölkerung. Heute stellen Flüchtlinge die Mehrheit der Bevölkerung und ihre Zahlen machten 1997 über 66 % der Einwohner der Stadt aus, die im Flüchtlingslager Deir al-Balah leben.
„Deir al-Balah“, was auf Arabisch „Kloster der Dattelpalme“ bedeutet, wurde nach dem Dattelpalmenhain westlich der Stadt benannt. Sein Name geht auf das späte 19. Jahrhundert zurück, vor dem die Stadt in osmanischen Aufzeichnungen vor Ort als „Deir Mar Jiryis“ oder „Deir al-Khidr“ und „Deir Darum“ bekannt war. „Mar Jiryis“ bedeutet übersetzt „Heiliger Georg“, während sich al-Chidr in der islamischen Tradition entweder auf den Heiligen Georg oder auf Elija beziehen könnte. [1]
Deir al-Balah
Die Einwohner von Deir al-Balah assoziierten al-Chidr mit dem Heiligen Georg. Die Stadt wurde nach al-Chidr benannt, dem am meisten verehrten Heiligen in ganz Palästina. Die Einheimischen gehen traditionell davon aus, dass die Moschee in Deir al-Balah, die seinen Namen trägt, sein Grab beherbergt. Bis zur späteren osmanischen Ära wurde Deir al-Balah auf Arabisch als „Darun“ bezeichnet, was sich vom lateinischen Namen der Siedlung aus der Kreuzfahrerzeit „Darom“ oder „Doron“ ableitete.
Dieser Name wurde vom Kreuzfahrer-Chronisten Wilhelm von Tyrus als Verfälschung von domus Graecorum, „Haus der Griechen“ (dar ar-rum), erklärt. In jüngerer Zeit vermutete der Gelehrte Albert Schultens aus dem 18. Jahrhundert, dass seine Wurzeln im althebräischen Namen „Darom“ liegen, vom hebräischen Wortstamm für „Süden“, der sich auf das Gebiet südlich von Lydda bezog. [1]
Geschichte
Die Geschichte von Deir al-Balah reicht bis in die Mitte des 14. Jahrhunderts v. Chr., in die Spätbronzezeit, zurück. Zu dieser Zeit diente es als Außenposten im Neuen Königreich Ägypten an der Grenze zu Kanaan. Während der Herrschaft von König Ramses II. (1303 – 1213 v. Chr.) wurde Deir al-Balah zur östlichsten von sechs Garnisonsfestungen im östlichen Mittelmeerraum. Die quadratische Festung Deir al-Balah hatte an jeder Ecke vier Türme und einen Brunnen. Archäologische Funde in Deir al-Balah enthüllten einen großen altägyptischen Friedhof mit Gräbern, die Schmuck und andere persönliche Gegenstände enthielten. Die Bewohner der Festung verwendeten bei ihren architektonischen Arbeiten traditionelle ägyptische Techniken und künstlerische Gestaltungen. Der kosmopolitische Aspekt der Grenzstätte wird durch die reichen zypriotischen, mykenischen und minoischen Funde bewiesen.
Deir al-Balah blieb bis etwa 1150 v. Chr. in ägyptischer Hand, bis die Philister das südliche Küstengebiet Kanaans eroberten. Die Siedlung der Philister dürfte südwestlich der Ausgrabungsstätte gelegen haben; seine Überreste sind unter großen Sanddünen verborgen. Zu den wenigen Funden aus dieser Zeit gehören fünf in die Schichten der Spätbronzezeit gegrabene Gruben, in denen sich Philisterkeramik befand. [1]
Byzantinische Herrschaft
Während der byzantinischen Herrschaft errichtete der frühchristliche Mönch Hilarion die erste Einsiedelei in Palästina an der Stelle des heutigen Deir al-Balah. Hilarion baute dort zunächst eine kleine Hütte, doch während der Herrschaft von Constantius II. (337 – 361 Sohn von Konstantin der Große) richtete er die Einsiedelei ein. Gegen Ende seines Lebens wuchs das Kloster und begann, zahlreiche Besucher anzulocken. Hilarion lebte insgesamt 22 Jahre im Kloster, bis er nach Zypern aufbrach, wo er 371 n. Chr. starb. Die Einsiedelei war in mehrere kleine Zellen unterteilt, die aus Lehmziegeln und Palmenzweigen gebaut waren.
Nach lokaler Überlieferung und Beobachtungen westlicher Reisender im 19. Jahrhundert befindet sich in der Gebetshalle des Klosters Hilarion derzeit die Moschee von al-Khidr. Der französische Entdecker Victor Guérin stellte fest, dass zwei Marmorsäulen in der Moschee möglicherweise Teile des Klosters aus byzantinischer Zeit waren. [1]
Frühislamische Zeit
Im Jahr 632, während der frühen Periode des Islams in Arabien, startete der muslimische Befehlshaber Usama ibn Zayd einen Angriff auf das von Byzanz gehaltene Deir al-Balah. Der Angriff, bezog sich nicht speziell auf Deir al-Balah, sondern auf das Gebiet südlich von Lydda (Lod), zu dem auch das heutige Gebiet Deir al-Balah gehörte. Der Ort war einer der ersten Orte in der Levante und speziell in Palästina, der nach der Eroberung von Gaza durch Amr ibn al-'As im Jahr 634 vom Rashidun-Kalifat annektiert wurde. Während der frühen muslimisch-arabischen Herrschaft und bis zur Ankunft der Kreuzfahrer im späten 11. Jahrhundert bezog sich der Begriff „Deir“ normalerweise auf den südlichen Militärbezirk Jund Filastin, dessen Hauptstadt zwischen den Städten Beit Jibrin oder Hebron vermutet wird.
Der fatimidische Kalif al-Aziz Billah (reg. 975 – 996) gewährte seinem bevorzugten arabisch-jüdischen Wesir Yaqub ibn Killis ein Lehen im heutigen Deir al-Balah, wie eine Inschrift aus den 980er Jahren in der Stadt-Moschee al-Chidr bezeugt. Zum Lehen gehörte ein großes Anwesen mit Dattelpalmen. [1]

Schlacht bei Hattin: Saladin entreißt dem fliehenden König Guido von Lusignan das Heilige Kreuz (13. Jahrhundert) - eingebunden über Wikimedia Commons
Kreuzzüge und Rückeroberung durch Sultan Saladin
Deir al-Balah wurde, wahrscheinlich während des zweiten Kreuzzug (nach der Eroberung von Aschkelon 1153 nördlich des Fatimiden-Kalifats) durch König Amalrich I. zu einer Festung ausgebaut. Nach Amalrichs Rückzug aus seiner fünften Offensive gegen Ägypten im Jahr 1170 griff der muslimische Militärführer Saladin, der im Namen der Fatimiden kämpfte, die Festung im Rahmen seines Eroberungszugs gegen das Kreuzfahrerkönigreich Jerusalem an und belagerte sie. Trotz anfänglicher Erfolge wurde Darom weder erobert noch zerstört. Später wurde es eine Hochburg der Tempelritter und des Johanniterordens aus Jerusalem unter der Führung von König Balduin III. Nachdem die muslimische Armee die Kreuzfahrer 1187 in der entscheidenden Schlacht bei den Hörnern von Hattin besiegt hatte, rückte Sultan Saladin, inzwischen unabhängiger Sultan der Ayyubiden-Dynastie, nach Süden vor und eroberte 1188 sowohl Aschkelon als auch Deir al-Balah. Sein erster Befehl war der Abriss der christlichen Festung, aber er entschied sich später gegen die Zerstörung. Stattdessen entschied er sich die Festung zu einer Garnison umzubauen, welche als Lager für Vorräte und Munition diente und dem Emir (Kommandeur) Alam al-Din al-Hanafi unterstellt war.
Im Jahr 1226 besuchte der arabische Geograph Yaqut al-Hamawi die Stadt und stellte fest, dass es sich „um eine der Städte von Lot“ handelte und eine Burgruine enthielt. [1]
Mameluken-Herrschaft
Während eines Großteils der Mameluken-Ära stand die Stadt unter der Verwaltung der politisch wichtigen Niyabah von Gaza (Provinz Gaza), die Teil des größeren Mamlaka von Damaskus (Königreich Damaskus) war. Es wurde zu einem Haltepunkt entlang der neu eingeführten regulären Postrouten zwischen Damaskus und Kairo, die von berittenen Boten mit farbigen Schärpen bedient wurden. Der arabische Historiker Ibn Fadlallah al-Umari erwähnte Deir al-Balah in seiner Liste der Haltepunkte der Route im Jahr 1349 nicht, sondern stellte stattdessen fest, dass das Dorf al-Salqah der einzige Posten zwischen Rafah und Gaza war, was darauf hindeutet, dass die Stadt zu dieser Zeit keine größere Siedlung war. Allerdings widerspricht der ägyptische Historiker al-Qalqaschandī aus dem 14. Jahrhundert al-Umaris Bericht und schreibt, Deir al-Balah sei der letzte Haltepunkt vor Gaza gewesen. [1]
Osmanisches Reich
Irgendwann vor der osmanischen Eroberung Palästinas im Jahr 1516 oder in den Anfangsjahren der osmanischen Herrschaft erhielt die Stadt ihren eigentlichen Namen, indem der zusätzliche Name „Deir“, wie in „Deir Darum“ nach seinem Kloster aus byzantinischer Zeit hinzugefügt wurde. Die erste osmanische Steuerzählung im Jahr 1525 ergab, dass Deir al-Balah ein relativ großes Dorf mit einer religiös gemischten Bevölkerung von 87 christlichen Familien und 56 muslimischen Familien war. Im Jahr 1596 war es Teil des Gaza-Sandschak (Distrikt Gaza). Seine anhaltende Bedeutung ergab sich auch aus seiner unmittelbaren Nähe zu Gaza und seiner Lage an der ehemaligen Handelsroute Via Maris.
Der französische Kartograf Pierre Jacotin nannte das Dorf Deir K Helleh auf seiner Karte von 1799. Victor Guérin (* 15. September 1821 in Paris; † 21. September 1891 ebenda) war ein französischer Forschungsreisender und Amateurarchäologe.
Ein Jahr später, am 29. Mai 1863, schrieb der französische Entdecker Victor Guérin, dass Deir al-Balah ein kleines, teilweise zerstörtes Dorf mit 350 Einwohnern sei. Der Dattelanbau sei die wichtigste wirtschaftliche Tätigkeit der Einwohner gewesen. Im Jahr 1878 stellte die Palestine Exploration Fund Studie über Westpalästina fest, dass sich Deir al-Balah zu einem großen Dorf aus Lehmhäusern „mit Brunnen und einem kleinen Turm“ entwickelt hatte. Damals diente es als ein Sitz der griechisch-orthodoxen Kirche von Jerusalem. [1]
Erster Weltkrieg und britisches Mandat Palästina
Deir al-Balah wurde während des Ersten Weltkrieges an der Palästinafront von der britischen Armee nach der Kapitulation von Khan Junis am 28. Februar 1917 eingenommen. Im April wurden dort ein Flugplatz und ein Armeelager errichtet und Deir al-Balah wurde zum Startpunkt für britische Streitkräfte gegen das von den Osmanen gehaltene Gaza und Beerscheba im Norden bzw. Nordosten. Von den 25 britischen Kriegsfriedhöfen aus dem Ersten Weltkrieg wurde im März 1917 in Deir al-Balah einer der sechs größten errichtet.
Deir al-Balah wurde ab 1922 Teil des britischen Mandatsgebiets Palästina. 1946 gründeten die britischen Behörden einen Gemeinderat zur Verwaltung der Stadt, der jedoch nur begrenzte Zuständigkeiten für zivile Angelegenheiten hatte und einige grundlegende Dienstleistungen bereitstellte. In den Statistiken von 1945 hatte Deir al-Balah eine Bevölkerung von 2.560; 40 Christen und 2.520 Muslime, mit 14.735 Dönüm (1473,5 Hektar) Land. Davon entfielen 327 Dunams auf den Anbau von Zitrusfrüchten und Bananen, 472 Dunams auf Plantagen und bewässerbares Land, 13.936 auf Getreide. [1]
Palästinakrieg und israelische Besatzung
Im Vorfeld des Palästinakrieges von 1948 beteiligten sich Einwohner von Deir al-Balah an Kämpfen mit dem nahegelegenen Kibbuz Kfar Darom. Während der Kämpfe erlitt die Stadt starke Verluste. Während des Krieges eroberte Ägypten die Stadt zusammen mit anderen Städten in einem Gebiet, das heute als Gazastreifen bekannt wurde. Die ägyptische Herrschaft brachte relativen Wohlstand nach Deir al-Balah. Die Stadt erlebte eine boomende Zitrusindustrie, die durch die Entdeckung eines beträchtlichen Grundwasserreservoirs in der Nähe ermöglicht wurde.
Während des Sechstagekrieges im Juni 1967 führte der Bürgermeister von Deir al-Balah, Sulaiman al-Azayiza, kurzzeitig den lokalen Widerstand gegen die anrückende israelische Armee an, bis er die Stadt kurz darauf offiziell aufgab. Die israelischen Behörden übernahmen die Kontrolle über die Quellen, eine der wichtigsten Bewässerungsquellen Gazas. Dieser Schritt, gepaart mit der zunehmenden Konkurrenz durch israelische Zitrusbauern, schadete der lokalen Zitrusindustrie. 1982 wurde der Bürgermeister entlassen und der Gemeinderat von Deir al-Balah aufgelöst und durch einen von der israelischen Militärverwaltung ersetzt. Im Verlauf der israelischen Besatzung dehnten sich die städtischen Gebiete von Deir al-Balah auf landwirtschaftlich genutzte Gebiete aus, was größtenteils auf Baubeschränkungen der Besatzer zurückzuführen war, die eine organisierte Expansion behinderten. [1]
Intifada zur palästinensischen Selbstverwaltung
Als 1987 die Erste Intifada ausbrach, beteiligten sich die Bewohner von Deir al-Balah am Aufstand gegen die israelische Herrschaft. Bei dem Aufstand wurden etwa 30 Einwohner getötet. Die Intifada endete 1993 mit dem Oslo-Abkommen zwischen der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) und Israel.
Im Jahr 1994 geriet Deir al-Balah aufgrund des Gaza-Jericho-Abkommens, nach 27 Jahren israelischer Besatzung, als erste Stadt offiziell unter die Kontrolle der Palästinensischen Autonomiebehörde. Die Stadt war während der Zweiten Intifada im Jahr 2000 häufig Ziel israelischer Militärangriffe, teilweise aufgrund von Kassam-Raketenangriffen palästinensischer Milizionäre. Auch die Gebiete rund um die Stadt waren häufig Ziel von Zerstörungen. Am 4. Januar 2004 haben israelische Behörden etwa 50 Dunam (5 Hektar) Land im Gebiet Abu al-Ajen östlich des Zentrums von Deir al-Balah dem Erdboden gleichgemacht. Später am 7. Januar 2004 berichtete das Applied Research Institute-Jerusalem (ARIJ), dass „israelische Bulldozer unter schwerem Beschuss in das Gebiet al-Hikr südlich der Stadt Deir el-Balah vordrangen und 70 Dunams (7 Hektar) mit Guaven und Orangenhainen bepflanztes Land dem Erdboden gleichmachten.“ [1]
Entwicklungen während der Gazakriege
Am 2. Januar 2009 wurde Deir al-Balah während des Krieges von der israelischen Armee im Rahmen ihrer einmonatigen offensiven Operation „Gegossenes Blei“ beschossen. Anfang Dezember 2023, im zweiten Monat des Israel-Gaza-Krieges 2023, schnitten IDF-Panzer den Durchgang von Khan Yunis nach Deir al-Balah ab und die Stadt war einem anschließenden schweren Bombenangriff ausgesetzt. Die IDF-Kampagne in der zentralen Region des Gazastreifens, brachte mehrere Wohnhäuser zum Einsturz und tötete mehr als 45 Menschen. Aufgrund der Bombardierung ist das örtliche Shuhada Al-Aqsa-Krankenhaus mit Patienten überschwemmt. Ärzte bezeichneten den Bombenangriff am 3. Dezember 2023 als einen außergewöhnlich „blutigen Tag“. [1]
Bei einem israelischen Luftangriff am 10. Januar 2024 wurden mindestens 20 Menschen getötet, als ein Raketenangriff ein zweistöckiges Gebäude in der Stadt Deir al-Balah in der Nähe des Al-Aqsa-Krankenhauses traf. Am selben Tag wurden vier Mitarbeiter des palästinensischen Roten Halbmonds auf der Saladinstraße in Deir al-Balah getötet. Die PRCS beschuldigte Israel, absichtlich einen Krankenwagen angegriffen zu haben, was das israelische Militär bestritt. Einer der Toten bei dem Bombardement war der palästinensische Journalist Ahmad Bdeir. Die Generaldirektorin Audrey Azoulay der UNESCO bedauerte den Tod des Journalisten.
Am 10. Juli 2025 tötete die israelische Armee bei einem Luftangriff auf Deir al-Balah weitere 66 Menschen, darunter 15 Personen, die sich bei einer Klinik, die von der US-amerikanischen Hilfsorganisation Project HOPE betrieben wird, um Babynahrung angestellt hatten. Unter den Toten waren auch acht Kinder. Der israelische Journalist Gideon Levy beschrieb den Angriff und verglich ihn mit jenem auf Guernica (Spanien) im Jahr 1937. [1]
Al-Chidr Moschee
In die Wände einiger Häuser im alten Deir al-Balah wurden Säulenschäfte aus weißem Marmor eingebaut. Sie ähnelten den mittelalterlichen Säulen auf dem Tempelberg („Haram ash-Sharif“) in Jerusalem.
Die Moschee von al-Chidr (auch „Maqam al-Khader“ genannt) wurde auf dem Gelände eines byzantinischen Klosters errichtet. Die Nord- und Südwände waren mit Stützpfeilern versehen und die Ostwand hatte drei Apsiden. Der Survey of Western Palestine berichtete 1875, dass sich auf einer der Stufen, die zur Tür an der Südwand führten, griechische Inschriften befanden, während auf dem Boden eine zerbrochene Steinplatte mit zwei Malteserkreuzen lag, die offenbar einem Grabstein ähnelte. Weitere Platten und griechische Inschriften wurden im Ostteil der Moschee und im Innenhof gefunden. In der Mitte des Gebäudes befindet sich ein Grab aus modernem Mauerwerk, von dem die Überlieferung behauptet, es handele sich um das Grab des Heiligen Georg („Mar Dschirschis“) oder al-Khidr, wie er auf Arabisch genannt wird. Das Bauwerk der Moschee ist heute eine Ruine.
Vor der Hinwendung zum konservativen Islam in Palästina gab es in der Region zahlreiche Kuppelbauten, die muslimischen Schutzheiligen gewidmet waren, darunter die al-Chidr-Moschee in Deir al-Balah. Im März 2016 begann das Ministerium für Tourismus und Antiquitäten im Gazastreifen mit finanzieller Unterstützung der UNESCO und der Nawa-Stiftung mit der Restaurierung der al-Chidr-Moschee. Ziel des Projekts ist es, das Moscheegrab in eine Kinderkulturbibliothek umzuwandeln. [1]
Flüchtlingslager Nuseirat
Das Flüchtlingslager Nuseirat ist ein Flüchtlingslager bzw. eine Siedlung innerhalb des Gouvernements Deir al-Balah der Palästinensischen Autonomiebehörde bzw. des Staates Palästina. Nach Angaben des Palästinensischen Zentralbüros für Statistik hatte das Flüchtlingslager zur Jahresmitte 2017 31.747 Einwohner. Bis 2020 stieg diese Zahl auf 34.194 Einwohner. In der gesamten Siedlung Nuseirat leben ca. 93.000 Menschen. Das Nuseirat-Lager wurde nach dem lokalen Nuseirat-Stamm benannt, der Teil der größeren Hanajira-Konföderation ist und das Gebiet zwischen Deir al-Balah und Gaza historisch dominierte. Der Vorläufer des Flüchtlingslagers war ein britisches Gefangenenlager (detention camp), in dem unter anderem 1944 sephardische Juden untergebracht waren, die mit Unterstützung Spaniens aus dem KZ Bergen-Belsen befreit worden waren.
Im Verlauf des Palästinakriegs 1948 ließen sich rund 16.000 Flüchtlinge auf dem Gelände eines ehemaligen britischen Militärgefängnisses nieder, von denen die meisten aus den südlichen Gebieten Palästinas wie Beerscheba und der Küstenebene kamen. Sie wurden dann die Bewohner des von der UNRWA errichteten und betreuten Flüchtlingslagers. Im Dezember 1987 gab es auch hier Unruhen, die zur Ersten Intifada führten. Am 2. Mai 2018 wurde durch Katars Botschafter für Gaza, Mohammed Al Emadi, die Große Nuseirat-Moschee eröffnet. Am 18. Oktober 2023 wurde dem Palestine Chronicle zufolge die Moschee während israelischer Luftangriffe bombardiert und zerstört.
Am 15. November 2023 wurden nach Angaben palästinensischer Medien bei israelischen Luftangriffen in der malaysischen Schule im Nuseirat-Flüchtlingslager drei Menschen getötet.
Am 8. Juni 2024 befreite die israelische Armee vier Geiseln, die von der Hamas in Nuseirat gefangen gehalten worden waren. Laut Angaben des von der Hamas kontrollierten Gesundheitsministeriums in Gaza wurden bei der Aktion mindestens 274 Palästinenser getötet; die israelische Armee sprach von weniger als 100 Toten. Der EU-Chefdiplomat Josep Borrell sprach von einem „Massaker an Zivilisten“. [2]
Flüchtlingslager Deir al-Balah
Das Flüchtlingslager Deir al-Balah ist das kleinste Flüchtlingslager im Gazastreifen. Es liegt an der Mittelmeerküste, westlich der gleichnamigen Stadt im Zentrum des Gazastreifens. Deir al-Balah bedeutet „Dattelkloster“ und verweist u.a. auf die zahlreichen Dattelpalmenhaine in der Gegend.
Das Lager Deir al-Balah bot ursprünglich palästinensischen Flüchtlingen Zuflucht, die infolge der Ereignisse von 1947 und des Krieges von 1948 aus Dörfern und Städten in Zentral- und Südpalästina von jüdischen paramilitärischen Organisationen vertrieben und geflohen waren. Die Flüchtlinge lebten zunächst in Zelten, die später durch Lehmziegelhütten und schließlich durch Gebäude aus Betonblöcken ersetzt wurden. Derzeit sind 28.227 palästinensische Flüchtlinge im Lager der Organisation UNRWA registriert.
Angriff nahe Zelten in Deir al-Balah
Gerade kommt die Naricht über einen Raketenangriff im Gazastreifen rein:
Euro News. (26/03/2026 - 10:44 MEZ) berichtet:
„Angriff nahe Zelten in Deir al-Balah tötet mindestens eine Person“
„Aufnahmen vom Ort zeigen, wie eine Detonation nahe dem Lager einschlägt. Rauch steigt auf, Flammen breiten sich aus, Bewohner und Sanitäter bringen Verletzte in Sicherheit“.
Warum tötet Israel weiterhin Menschen, die unter den erbärmlichsten Umständen in Zeltstädten leben müssen, weil der Staat Israel ihnen alle Wohnungen und fast sämtliche Lebensbedingungen zerstört hat?
Deir al-Balah War Cemetery
Der Kriegsfriedhof von Deir al-Balah (Deir al-Balah War Cemetery) wurde im März 1917 angelegt. Nach dem Waffenstillstand von Mudros, der die Beteiligung des Osmanischen Reiches am Ersten Weltkrieg beendete, wurden einige Gräber aus der Umgebung auf den Kriegsfriedhof von Deir al-Balah verlegt. Die Beisetzungen erfolgten bis 1919. Im Jahr 1998 wurden die Namen der auf dem Friedhof beigesetzten Gefallenen der indischen Armee in das Friedhofsregister aufgenommen.....
Weitere Informationen zum Kriegsfriedhof Deir al-Balah War Cemetery in Deir al-Balah im Gazastreifen finden Sie hier....!
Gaza (Stadt) Teil I.
Gaza, auch Gasa genannt, im Gouvernement Gaza ist die größte Stadt im Gazastreifen, der seit 1994 de jure unter Verwaltung des Staates Palästina bzw. der Palästinensischen Autonomiebehörde steht; die Stadt stand de facto von Juni 2007 bis Anfang 2024 unter der Verwaltung der Terrororganisation Hamas. In Gaza befanden sich der Verwaltungssitz der Autonomiebehörde und ein Seehafen am Mittelmeer. Die Bevölkerungszahl wurde 2017 mit 590.481 angegeben.....
Weitere Informationen zur Geschichte von Gaza (Stadt) Teil I. im Gazastreifen finden Sie hier....!
Gaza (Stadt) Teil II.
Gaza-Stadt ist mit 590.481 Einwohnern (Stand 2017) die größte Stadt des Staates Palästina. Die Stadt weist eine der höchsten Gesamtwachstumsraten der Welt auf. In der Agglomeration Gazastreifen leben nach letztem Zensus mehr als 2 Millionen Menschen; damit beträgt die Bevölkerungsdichte 9.982,69/Quadratkilometer und ist vergleichbar mit der von New York City (USA). Die Demografie von Gaza-Stadt verzeichnete im Verlauf der Geschichte markante Entwicklungen, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst wurden.....
Weitere Informationen zur Geschichte von Gaza-Stadt im Gazastreifen finden Sie hier....!
Gazastreifen
Der Gazastreifen ist ein Küstengebiet am östlichen Mittelmeer zwischen Israel und Ägypten mit Gaza-Stadt als Zentrum. Der Gazastreifen hat circa 2,1 Millionen Einwohner. Das Land in diesem Gebiet ist uraltes Kulturland ähnlich der Umgebung um Aschdod und Aschkelon. Die wichtige antike Verkehrsader Via Maris zwischen Ägypten und Damaskus führte u.a. durch dieses Gebiet und die Stadt Gaza gehörte zum Volk der Philister. Heute ist der Gazastreifen ein Teil der Palästinensischen Autonomiegebiete und steht im Inneren formal unter Verwaltung der Palästinensischen Autonomiebehörde....
Weitere Informationen zur Geschichte des Gazastreifen finden Sie hier....!
Quellennachweis:
1.: Die Informationen zur Geschichte der Stadt Deir al-Balah im Gazastreifens basieren auf dem Artikel Deir al-Balah (Stand vom 18.09.2025) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [34 KB]
für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.
2.: Die Informationen zum Flüchlingslager Nuseirat (Gouvernement Deir al-Balah) im Gazastreifen stammen aus der Wikipedia, zuletzt abgerufen am 29.03.2026!
Die Fotos aus der Wikimedia Commons "Eyecatcher: " - "Sarkophag aus der Spätbronzezeit, gefunden in Deir al-Balah, ausgestellt im Hecht Museum in Haifa - Autor: Hanay und ein weiterer Urheber - My Won" - "..fatimidische Al Hakim Moschee in Kairo - Autor: Francisco Anzola" - "UNRWA-Schule in Deir al-Balah diente während des Gaza-Krieges als Zufluchtsort für Binnenflüchtlinge; ...verletztes Mädchen bei einem israelischem Luftangriff auf ein Haus in Deir al-Balah, Gazastreifen, 9. November 2023; (2 Fotos) - Autor: Ashraf Amra – Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten" - "Straße in Gaza - Autor: Manar al Zraiy" - "Map vom Gazastreifen - Autor: Lencer" - "Bewaffneter israelischer Armee-Bulldozer zerstört ein palästinensisches Haus im Gazastreifen während der Zweiten Intifada 2001 - Autor: Khalil Hamra – UNRWA: Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge im Nahen Osten" - "Blick auf Teile des Hafens von Gaza im Jahr 2007 - Autor: Marcin Monko" - "Skyline von Deir al-Balah, Gazastreifen, Palästinensische Gebiete - Autor: Shankouti" - "Siedlung Nuseirat - Autor: Mujaddara" sind unter der Lizenz Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported verfügbar.