Lod (Lydda) Geschichte

Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Griechisch-orthodoxe Kirche St. Georg und Große Moschee von Lod - Foto: Wikipedia - Autor: Bukvoed - Lizenz: s.u.



Überblick

Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Lydda mit der ruinierten Kirche über dem Grab des heiligen St. Georg, rechts daneben die Moschee, Konrad von Grünenberg, 1487 - Foto: Wikipedia (Public domain)



Vom 5. Jahrhundert v. Chr. bis zur römischen Eroberung 70 n. Chr. war die Stadt Lod ein Zentrum der jüdischen Gelehrsamkeit und des Handels. Laut Martin Gilbert vergrößerten Jonathan Makkabäus und sein Bruder Simon Makkabäus während der Hasmonäerzeit das Gebiet und brachten es unter jüdischer Kontrolle, was die Eroberung der Stadt Lod mit einschloss. 43 v. Chr. verkaufte Cassius, der römische Statthalter von Syrien, die Einwohner von Lod in die Sklaverei, aber sie wurden zwei Jahre später von Markus Antonius freigelassen. Während des Ersten Jüdisch-Römischen Krieges zerstörte der römische Prokonsul von Syrien, Cestius Gallus, die Stadt 66 n. Chr. auf seinem Weg nach Jerusalem.

Zwei Jahre später - 68. n. Chr. - wurde Lod von Vespasian besetzt. In der Zeit nach der Zerstörung Jerusalems im Jahr 70 n. Chr. diente Rabbi Tarfon, der in vielen tannaitischen und jüdischen Rechtsdiskussionen auftaucht, als rabbinische Autorität in Lod. [1]


Römerzeit

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Lod (Lydda) Detail des Lod-Mosaiks - Foto: Wikipedia - Autor: Carole Raddato - Lizenz: s.u.


Während des Kitos-Krieges 115 - 117 n. Chr. belagerte die römische Armee Lod, wo sich die aufständischen Juden unter der Führung von Julian und Pappos versammelt hatten. Das Studium der Tora wurde von den Römern verboten und hauptsächlich im Untergrund betrieben. Die Not wurde so groß, dass der dort eingesperrte und bald darauf verstorbene Patriarch Rabban Gamaliel II. das Fasten an Ḥanukkah erlaubte. Andere Rabbiner waren mit dieser Entscheidung nicht einverstanden. Lydda wurde als nächstes genommen und viele der Juden wurden hingerichtet; die „Ermordeten von Lydda“ werden im Talmud oft in ehrerbietigen Lobpreisungen erwähnt.

Im Jahr 1996 wurde das große römische Mosaik von Lod aus der Zeit um 300 n. Chr. gefunden, das mit 180 Quadratmeter angeblich das größte Mosaik in Israel ist. An der Fundstelle des Mosaiks wird zurzeit ein Museum errichtet. 2013 wurde das Mosaik in der „Ausstellung Jäger und Gejagte - die Exotische Tierwelt des römischen Mosaiks aus Lod“ im Neuen Museum in Berlin gezeigt. [2]


Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Detail des Lod-Mosaiks - Foto: Wikipedia - Autor: Carole Raddato - Lizenz: s.u.


Im Jahr 200 n. Chr. erhob Kaiser Septimius Severus die Stadt in den Status einer römischen Stadt und nannte sie Colonia Lucia Septimia Severa Diospolis. Der Name Diospolis („Stadt des Zeus“) wurde möglicherweise früher, möglicherweise bereits von Kaiser Hadrian ausgewählt, stammt aber von griechischen Siedlern. Zu diesem Zeitpunkt waren die meisten Einwohner Christen. Der früheste bekannte Bischof ist Aëtius, ein Freund von Arius. [1]


Byzantinische Epoche

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Lod (Lydda) Portal zur St. Georgs Kirche in Lod, Israel - Foto: Wikipedia - Autor: Bukvoed - Lizenz: s.u.


Im Dezember 415 wurde hier das Konzil von Diospolis abgehalten, um einen gewissen Pelagius vor Gericht zu stellen; dieser wurde letztendlich freigesprochen. Im 6. Jahrhundert wurde die Stadt in Georgiopolis umbenannt, nach dem heiligen St. Georg, einem Soldaten in der Garde des Kaisers Diokletian, der hier zwischen 256 und 285 n. Chr. geboren wurde. Die St.-Georgs-Kirche ist nach ihm benannt und er wurde hier auch begraben. Man vermutet, dass bereits im 5. Jahrhundert n. Chr. eine byzantinische Basilika errichtet wurde, die allerdings im 7. Jahrhundert wieder zerstört wurde.

Die Karte von Madaba aus dem 6. Jahrhundert zeigt ein freistehendes großes Gebäude mit einem halbkreisförmigen Säulenplatz davor- es könnte den St.-Georgs-Schrein darstellen.


Große Moschee von Lod

Große Moschee von Lod - eingebunden über Wikimedia Commons


Frühe Muslimische Epoche

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Lod (Lydda) ...ehem. Karawanserei Khan el Hilo - Foto: Wikipedia - Autor: Rachel Sharoni - Lizenz: s.u.


Nach der muslimischen Eroberung Palästinas durch Amr ibn al-'As im Jahr 636 diente Lod, die arabisch als „al-Ludd“ bezeichnet wurde, als Hauptstadt von Jund Filastin („Militärbezirk von Palästina“) bevor der Sitz der Macht während der Herrschaft des umayyadischen Kalifen Suleiman ibn Abd al-Malik in den Jahren 715 - 716 in das nahe gelegene Ramla verlegt wurde. Auch die Bevölkerung von al-Ludd wurde nach Ramla umgesiedelt. Mit der Umsiedlung seiner Bewohner und dem Bau der Weißen Moschee in Ramla verlor al-Ludd an Bedeutung und verfiel. [2]


Kreuzfahrer- und Ayyubidenzeit

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Lod (Lydda) Grab des heiligen St. Georg, welches zum erstenmal im Jahre 520 von dem Pilger Theodosius erwähnt wurde - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)


Während der Herrschaft der Fatimiden wurde die Stadt 985 von dem arabischen Geographen al-Muqaddasi besucht. Nun hatte auch al-Ludd eine große Moschee, die den Bewohnern von al-Ludd, Ramla und den umliegenden Dörfern diente. Er schrieb auch von der „wunderbaren Kirche“ (St. Georgs Kirche) der Stadt, an deren Tor Christus einst den Antichristen töten wird“. Die Kreuzfahrer besetzten die Stadt 1099 und nannten sie St. Jorge de Lidde. Al-Ludd wurde kurzzeitig von Sultan Saladin erobert, aber bereits im Jahr 1191 von den Kreuzfahrern zurückerobert. Für die englischen Kreuzfahrer war es ein Ort von großer Bedeutung, weil dies der Geburtsort des Heiligen Georg war.

Die Kreuzfahrer machten den Ort zum Sitz einer Diözese. Lydda ist bis zum heutigen Tag ein Titularbistum der römisch-katholischen Kirche. Es geht zurück auf ein untergegangenes Bistum in der antiken Stadt Diospolis. [2]


Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Brücke aus der Zeit von Sultan Baibars (1217 - 1277) mit arabischen Schriftzeichen flankiert von zwei Löwen auf der Westseite - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)

Mamluken Epoche

Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Khan el Hilo - Foto: Wikipedia - Autor: Rachel Sharoni - Lizenz: s.u.


Im Jahr 1226 besuchte der ayyubidische syrische Geograph Yaqut al-Hamawi al-Ludd und berichtete, dass der Ort während der Ayyubiden-Herrschaft zum Bezirk Jerusalem gehörte. Während der Zeit der mamelukischen Herrschaft über weite Teile des Heiligen Landes fiel auch al-Ludd (Lydda) mit der Kirche über dem Grab des Heiligen Georg in die Hände der Eroberer. Sultan Baybars brachte Lydda 1267 - 1268 wieder unter muslimische Kontrolle. Laut Qalqashandi war Lydda im 14. und 15. Jahrhundert ein Verwaltungszentrum einer Wilaya im Mamlukenreich. Mujir al-Din beschrieb es als ein angenehmes Dorf mit einer aktiven Freitagsmoschee. Während dieser Zeit war Lydda eine Station auf der Postroute zwischen Kairo und Damaskus.



Lydda between 1890 and 1900

Ansicht von Lydda aus Südwesten - eingebunden über Wikimedia Commons


Osmanische Epoche

Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Moslemischer Friedhof in Lod - Foto: Wikipedia - Autor: Bukvoed - Lizenz: s.u.


1517 wurde Lydda als Teil des Damaskus-Eyalet in das Osmanische Reich eingegliedert, und in den 1550er Jahren wurden die Einnahmen von Lydda für den neuen Waqf von Hasseki Sultan Imaret in Jerusalem bestimmt, der von Hasseki Hurrem Sultan (Roxelana), der Ehefrau von Suleiman dem Prächtigen gegründet wurde. Im Jahr 1596 war Lydda ein Teil („Unterbezirk“) von Ramla, der unter der Verwaltung von Gaza stand. Die Bevölkerung lebte in 241 Haushalten muslimischer Zugehörigkeit und in 233 christlichen Haushalten. Sie zahlten einen festen Steuersatz von 33,3 % auf landwirtschaftliche Produkte, darunter Weizen, Gerste, Sommergetreide, Weinberge, Obstbäume, Sesam, Ziegen und Bienenstöcke.


Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Khan el Hilo - Foto: Wikipedia - Autor: Rachel Sharoni - Lizenz: s.u.


Alle Einnahmen gingen an den Waqf. Auf der Karte von Pierre Jacotin, die 1799 erarbeitet wurde, erschien ein Dorf als Lydda, obwohl es wahrscheinlich falsch interprtiert wurde. Pierre Jacotin (1765 – 1827) war der Leiter der Vermessung für die Carte de l'Égypte, die erste auf Triangulation basierende Karte von Ägypten, Syrien und Palästina. Der Missionar Dr. William M. Thomson besuchte Lydda Mitte des 19. Jahrhunderts und beschrieb es als „ein blühendes Dorf mit etwa 2.000 Einwohnern, umgeben von edlen Oliven-, Feigen-, Granatapfel-, Maulbeer-, Bergahorn- und anderen Bäumen, umgeben von Wegen durch eine fruchtbare Nachbarschaft". „Die Einwohner sind offenbar sehr fleißig, und das ganze Land zwischen Lydda und Ramla füllt sich schnell mit ihren blühenden Obstgärten....“ Im Jahr 1869 wurde die Bevölkerung von Lydda mit 55 Katholiken, 1.940 „Griechen“, 5 Protestanten und 4.850 Muslimen angegeben. 1870 wurde die St.-Georgs-Kirche wieder aufgebaut. 1892 wurde in der Stadt der erste Bahnhof der gesamten Region errichtet.


Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Brunnen aus der Osmanischen Epoche - Foto: Wikipedia - Autor: Bukvoed - Lizenz: s.u.


In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts zogen jüdische Kaufleute in die Stadt Lod, verließen sie jedoch nach den Unruhen von Jaffa von 1921. Im Jahr 1882 beschrieb der Survey of Western Palestine des Palestine Exploration Fund Lod als „eine kleine Stadt, die inmitten von Kaktusfeigen steht und von feinen Olivenhainen umgeben ist, insbesondere im Süden. Das Minarett der Moschee ist ein sehr auffälliges Objekt über die ganze Ebene. Die Einwohner sind hauptsächlich Moslems, obwohl der Ort der Sitz eines griechischen Bischofs ist, der in Jerusalem lebt. Die Kreuzfahrerkirche wurde kürzlich restauriert und wird von den Griechen genutzt. In den Gärten befinden sich Brunnen... ." [1]


Britische Mandatszeit

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Lod (Lydda) Lydda zur Mandatszeit, 1932 - Foto: Wikipedia (Public domain)


Ab 1918 stand Lydda unter der Verwaltung des britischen Mandats in Palästina, gemäß einem Dekret des Völkerbundes nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Während des Zweiten Weltkriegs errichteten die Briten Versorgungsposten in und um Lydda und seinen Bahnhof und bauten auch einen Flughafen, der nach dem Tod des ersten israelischen Premierministers 1973 in Ben Gurion Airport umbenannt wurde. Zum Zeitpunkt der Palästina-Volkszählung 1922 hatte Lydda eine Bevölkerung von 8.103 Einwohnern. Davon waren 7.166 Muslime, 11 Juden und 926 Christen. Bei der nächsten Volkszählung von 1931 stieg die Zahl der Einwohner auf 11.250. Davon waren 10.002 Muslime, 28 Juden, 1.210 Christen und 10 Bahai.


Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Lydda 1948 - Foto: Wikipedia (Public domain)


Es waren insgesamt 2475 Wohnhäuser vorhanden. 1945 hatte Lydda eine Bevölkerung von 16.780; 14.910 Muslime, 1.840 Christen, 20 Juden und 10 als „sonstige“ eingestuft. Bis 1948 war Lydda eine arabische Stadt mit einer Bevölkerung von etwa 20.000 Einwohnern. 1947 schlugen die Vereinten Nationen vor, das Mandatsgebiet Palästina in zwei Staaten aufzuteilen, einen jüdischen und einen arabischen; Lydda sollte Teil des vorgeschlagenen arabischen Staates werden. Im darauffolgenden Krieg eroberte Israel arabische Städte außerhalb des von der UNO zugewiesenen Gebietes, darunter auch Lydda. [1]


Lod (Lydda)

Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Griechisch-orthodoxe Kirche St. Georg und Große Moschee von Lod - Foto: Wikipedia - Autor: Bukvoed - Lizenz: s.u.


Lod ist eine aus der Bibel bekannte Stadt und liegt südöstlich von Tel Aviv. Die Stadt trägt von altersher unterschiedliche Namen. So ist Lod der alte hebräische Name, al-Ludd die arabische Bezeichnung, Lydda die lateinische und Diospolis (Stadt des Zeus) die altgriechische Bezeichnung.Lod befindet sich etwa 15 Kilometer südöstlich von Tel Aviv im Zentraldistrikt von Israel. Im Jahr 2019 zählte die Stadt etwa 77200 Einwohner. Der Name leitet sich von der biblischen Stadt Lod ab und war eine....

Weitere Informationen zur Stadt Lod, dem ehemaligen Lydda in Israel finden Sie hier....!


Quellennachweis:

Lod (Lydda)
Lod (Lydda) Griechisch-Orthodoxes Kloster in Lod - Foto: Wikipedia - Autor: Britchi Mirela - Lizenz: s.u.


1.: Die Informationen zur Geschichte von Lod basieren auf dem Artikel Lod (Stand vom 10.11.2021) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [34 KB] für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Die Fotodateien "...ehem. Karawanserei Khan el Hilo; Khan el Hilo; (3 Fotos) - Autor: Rachel Sharoni" - "Griechisch-Orthodoxes Kloster in Lod - Autor: Britchi Mirela" - "Detail des Lod-Mosaiks; (2 Fotos) - Autor: Carole Raddato" - "Griechisch-orthodoxe Kirche St. Georg und Große Moschee; Brunnen aus der Osmanischen Epoche; Moslemischer Friedhof in Lod; Portal zur St Georgs Kirche in Lod, Israel; (4 Fotos) - Autor: Bukvoed" - "Eyecatcher: Interior der St. Georg-Kirche in Lod - Autor: ISRAEL ZELLER" sind unter der Lizenz Creative Commons Attribution-Share Alike 3.0 Unported verfügbar.


Fotos aus Lod (Lydda) Geschichte

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