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Bar’am

Bar'am
Bar'am Große Synagoge des historischen Bar'am - Foto: Wikipedia - Autor: MASQUERAID - Lizenz: s.u.



Überblick

Bar'am
Bar'am Bar-David-Museum im Kibbuz Bar'am - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)



Bar’am, auch Baram oder Biram genannt, ist ein Ort in Galiläa im Nordbezirk von Israel direkt an der libanesischen Grenze. Der Ort hatte Ende 2016 589 Einwohner. Bar'am liegt etwa 12 Kilometer nordöstlich von Safed. Eine jüdische Siedlung wurde im ersten Jahrhundert n. Chr. gegründet. Einer Legende zufolge wurde Königin Ester hier beerdigt. Bar'am wurde im 4. bis 5. Jahrhundert ein wohlhabendes Dorf, was die gleichzeitige Existenz zweier Synagogen belegt. Zwischen dem 7. und 13. Jahrhundert gaben die jüdischen Bewohner die Siedlung aus unbekannten Gründen auf. Im Osmanischen Reich lebten ab dem späten 16. Jahrhundert maronitisch-aramäische Christen in dem Dorf. [1]





Geschichte

Kafr Bir'im
Kafr Bir'im Kirche in Bir'im - Foto: Wikipedia - Autor: Ori~


Kfar Bar'am hieß das 1. Jahrhundert n. Chr. gegründete alte jüdische Dorf in Nordisrael. Es befand sich in der Nähe des später gegründeten Kafr Bir'im oder Kafar Berem, einem mittelalterlichen maronitisch-christlichen Dorf. Heute befindet sich die historische Stätte in Nordisrael, etwa 3 Kilometer von der libanesischen Grenze entfernt und ist ein Nationalpark. Etwa 500 Meter nördlich des Parks liegt das am 16. Juni 1949 von ehemaligen Militärangehörigen der Organisation Palmach gegründete Kibbuz Bar'am. Das nahe gelegene Dorf Kafr Bir'im wurde am 31. Oktober 1948 von den israelischen Streitkräften während der Operation Hiram erobert und die Dorfbewohner gezwungen, das Dorf zu verlassen. Wegen der häufigen grenzüberschreitenden Infiltration wurde ihnen im Jahr 1949 die Rückkehr in die Grenzzone verwehrt. Das Dorf der maronitischen Christen wurde 1953 von israelischen Luftstreitkräften bombardiert (in anderen Berichten gesprengt) und dem Erdboden gleichgemacht- einzig die christliche Kirche auf dem Gelände, die Maronitenkirche, wurde verschont und wird bis heute instand gehalten und regelmäßig genutzt.


Kafr Bir'im

Kafr Bir'im
Kafr Bir'im ....aramäisch-maronitisch-christliches Dorf Kafr Bir'im - Foto: Wikipedia - Autor: Anita - Lizenz: s.u.


Im November 1948, während des Israelischen Unabhängigkeitskriegs, wurden die rund 1000 maronitisch-christlichen Bewohner, die weder bewaffnet waren noch den zionistischen Verbänden Widerstand leisteten, aus Bar'am vertrieben bzw. innerhalb der Grenzen des neu entstandenen Staates Israel umgesiedelt. Eine Rückkehr der Bevölkerung wurde zunächst durch den obersten israelischen Gerichtshof in einem Urteil von 1951 positiv bestätigt, aber von der Armee verhindert. Um eine heimliche Rückkehr der Bewohner auszuschließen, wurde die Ortschaft 1953 gesprengt. In einiger Entfernung vom alten maronitischen Dorf wurde 1949 der jüdische Kibbuz Bar'am gegründet. Die maronitische Kirche wurde später wieder hergerichtet und ist heute das einzige intakte Gebäude am Ort.

Weitere Informationen zur Vetreibung von Palästinensern und Christen in Israel im Israelischen Unabhängigkeitskrieg und danach finden Sie hier....!

Hier der Bericht eines ehemaligen Bürgers des Ortes Kafr Bir'im aus seiner und der Sicht seiner damaligen Mitbürger....!


Kafr Bir'im
Kafr Bir'im Kirche in Bir'im - Foto: Wikipedia - Autor: Ori~


Seit 1967 dürfen die ehemaligen Bewohner von Kafr Bir'im wieder auf dem örtlichen Friedhof bestattet werden. Im Parlamentswahlkampf von 1977 drückte der später zum Regierungschef gewählte Menachem Begin den Bewohnern seine Solidarität aus, der Sachverhalt kam zur Debatte in der Knesset. Um Bedenken bezüglich nachteiliger Folgen für den inzwischen auf enteignetem Dorfland entstandenen Kibbuz zu zerstreuen, erklärten die rückkehrwilligen Maroniten sogar ihre Bereitschaft zum Verzicht auf das bewirtschaftete Ackerland. In den 1980ern nahmen sich mehrere Likud-Minister ihrer Beschwerden an, ohne das Problem allerdings zu lösen.



PikiWiki Israel 33229 Baram observatory tower

Blick vom Bar'am Turm auf das libanesische Dorf Marun ar-Ras - eingebunden über Wikimedia Commons


Kafr Bir'im
Kafr Bir'im ...der Friedhof von Kafr Bir'im - Foto: Wikipedia - Autor: Ori~


Auch die 1992 unter Jizchak Rabins Führung gebildete Koalitionsregierung versprach, das den Bewohnern von Bir'im sowie eines weiteren Dorfes (gemeint ist Iqrit) geschehene Unrecht zu beheben. Die Einsetzung einer entsprechenden Ministerkommission blieb jedoch ohne konkretes Ergebnis. Die Regierung unter Ariel Scharon lehnte im Juli 2005 eine Rückkehr der israelisch-maronitischen Bevölkerung ab. Begründet wurde dies mit Sicherheitsgründen und der unmittelbaren Nähe zur libanesischen Grenze. Zudem soll ein rechtlicher Präzedenzfall für die gemäß dem Völkerrecht immer noch als Flüchtlinge angesehenen Palästinenser im Libanon, in Syrien, Jordanien und Ägypten sowie im Westjordanland und im Gazastreifen und ihre Nachkommen, die den Flüchtlingsstatus vererbt bekommen haben, vermieden werden.


Kafr Bir'im
Kafr Bir'im Ruinen des 1953 zerstörten Dorfes Kafr Bir'im - Foto: Wikipedia - Autor: Ori~


Im Jahr 2009 wandte sich die Maronitengemeinde mit einem Hilfegesuch an Antonio Franco, den päpstlichen Botschafter in Jerusalem. Die Forderung nach Umsetzung der vom Obersten Gerichtshof in Israel erteilten Erlaubnis zur Rückkehr wurde 2011 von Seiten der maronitischen Glaubensgemeinschaft in Israel erneuert. Das anlässlich eines Besuchs von Papst Franziskus in Israel und den Palästinensergebieten aus dem Libanon eingereiste Oberhaupt der maronitischen Kirche, Patriarch Béchara Kardinal Raï, sicherte der vertriebenen Gemeinde 2014 bei einem Besuch in Bar'am seine Unterstützung zu. Jedoch hat sich bis zum heutigen Tag an der Sachlage nichts geändert. Ähnliche Schicksale gibt es auch in Ostjerusalem, wo über Nacht Häuser von Palastinensern abgerissen werden und das Grundstück tags darauf von orthodoxen Juden beansprucht wird. [1]


Nationalpark Bar'am

Bar'am
Bar'am ...antike Synagoge im Bar'am Nationalpark, Israel - Foto: Wikipedia - Autor: Bukvoed - Lizenz: s.u.


Bar’am (Baram) ist ein israelischer Nationalpark, der nach der alten jüdischen Siedlung aus der römisch-byzantinischen Zeit benannt ist, in deren Gebiet die Siedlung gegründet wurde. Im Jahr 1966 wurde das Gebiet um die historische Stätte in einen Nationalpark umgewandelt. Der Park befindet sich im gebirgigen Oberen Galiläa zwischen dem Berg Meron und der Grenze zum Libanon. Direkt daneben befindet sich der 1949 gegründete gleichnamige Kibbuz. Wer den Nationalpark besucht, kann sich vor Ort auf den offiziellen Informationstafeln über die antike jüdische Geschichte des Ortes informieren und vor allem die gut erhaltene große Synagoge besuchen.


Bar'am
Bar'am Ruinen der Synagoge in Bar'am - Foto: Wikipedia - Autor: Ori~


Die alte jüdische Siedlung hatte zwei Synagogen, die aufgrund archäologischer Funde ins späte 4. bzw. frühe 5. Jahrhundert datiert wurden, wenn auch die Architektur auf eine frühere Bauzeit hindeutet. Von der größeren ist die Fassade mit drei Eingangsportalen hoch anstehend erhalten. Im Inneren der aus sorgfältig behauenem Kalkstein gebauten Hallensynagoge bilden 14 Säulen eine U-Form. Sie stützten die zweite Etage – vermutlich mit der Frauenempore – und das Dach. Die Ecksäulen haben einen herzförmigen Querschnitt, so dass sie im rechten Winkel von zwei Seiten die Balken aufnehmen konnten. Die Halle misst etwa 15 × 20 Meter. Die Eingangsseite ist nach Süden in Richtung Jerusalem ausgerichtet, wie bei den meisten alten Synagogen in Galiläa.


Bar'am
Bar'am Ruinen der Synagoge in Bar'am - Foto: Wikipedia - Autor: Ori~


Vorgelagert war ein überdachter Vorhof, von dessen acht Säulen noch fünf aufgerichtet stehen. Unter dem rechten Fenster in der Fassade findet sich eine aramäische Inschrift mit dem Namen des Erbauers, Banahu Elazar bar Yodan. Biblische oder frühe historische Belege sind für Bar'am nicht vorhanden, erste schriftliche Zeugnisse stammen von mittelalterlichen Reisenden. Die Synagoge von Bar'am wird als eine der schönsten historischen Synagogen in Israel bezeichnet. Die kleinere Synagoge ist nicht erhalten, ihre Überreste wurden bei Ausgrabungen entdeckt. Ein dabei entdeckter Türsturz mit Inschrift enthält einen Segensspruch („Friede an diesem Ort und in ganz Israel“) und den Namen des Erbauers, Josef HaLevi ben Levi. Der Türsturz befindet sich heute im Museum Louvre in Paris. [1]


Ilan Pappe - Die ethnische Säuberung Palästinas

Ilan Pappe
Ilan Pappe Ilan Pappe bei der Palästina-Konferenz vom 10. Juni 2017 in Frankfurt am Main - Foto: Wikipedia - Autor: L.Willms - Lizenz: s.u.


Ilan Pappe beschreibt, wie der militärische Konflikt in den Jahren 1947 bis 1949 in eine systematische Politik Israels übergegangen ist, die bis heute einen Frieden in Palästina verhindert. Zwei Monate vor dem Ende der britischen Verwaltung Palästinas im Auftrag der UN, am 10. März 1948, trifft sich im Roten Haus in Tel Aviv, dem Hauptquartier der Untergrundmiliz Hagana, eine Runde hochrangiger zionistischer Politiker. Eingeladen hat David Ben Gurion, später Ministerpräsident Israels. Mit dabei Yigal Allon (später Außenminister), Moshe Dayan (später Verteidigungs- und Außenminister), Yigael Yadin (später stellvertretender Ministerpräsident), Yitzchak Rabin (später Ministerpräsident und Friedensnobelpreisträger). Sie verabreden die Endfassung eines Masterplans zur Vertreibung der arabischen Bevölkerung: „Plan Dalet“ (Plan D). Das Land – nur zu elf Prozent im Besitz der jüdischen Einwanderer, die nicht einmal ein Drittel der Einwohner stellen – soll systematisch freigemacht werden für eine endgültige jüdische Besiedelung, und hierzu ist jedes Mittel recht.

„Wer den Kernkonflikt im Nahen Osten besser verstehen will, sollte das mit viel Herzblut geschriebene Buch von Ilan Pappe lesen.“

Marcel Pott im Deutschlandfunk


Palästina
Palästina Palästinensische Flüchtlinge aus Galiläa, 1948 - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)


Die ethnische Säuberung Palästinas ist ein Buch vom israelischen Autor Ilan Pappe. Erschienen ist das Buch im Oneworld Verlag und wurde veröffentlicht am 07.09.2007 - es enthält 320 Seiten. Ilan Pappe (hebräisch: אילן פפה) wurde 1954 in Haifa geboren und ist ein israelischer Historiker, Autor und Professor an der Universität Exeter. Pappe wird zur Gruppe der Neuen israelischen Historiker gezählt und gilt als Befürworter einer Einstaatenlösung für den Nahostkonflikt. Pappes bahnbrechendes Buch greift die Bildung des Staates Israel auf. Zwischen 1947 und 1949 wurden über 400 palästinensische Dörfer absichtlich zerstört, Zivilisten massakriert und rund eine Million Männer, Frauen und Kinder mit vorgehaltener Waffe aus ihren Häusern vertrieben.


Palästina
Palästina ...palästinensische Flüchtlinge 1948, (British Mandate of Palestine) - Foto: Wikipedia (gemeinfrei)


Fast sieben Jahrzehnte sind vergangen, ohne das hierüber geredet werden durfte. Heute würde man dieses Vorgehen als „ethnische Säuberung“ bezeichnen können, ähnlich wie die Vorgänge 1915 - 1916 in der Türkei. Der Völkermord an den Armeniern war einer der ersten systematischen Genozide des 20. Jahrhunderts. Ilan Pappe entlarvt entschieden den Mythos, dass die palästinensische Bevölkerung im Verlauf dieses Krieges von sich aus abgereist ist, und liefert eindrucksvolle archivarische Beweise dafür, dass ein zentrales Element der israelischen Gründungsideologie von Anfang an die gewaltsame Entfernung der indigenen Bevölkerung war.

Das Buch ist unverzichtbar für alle, die sich für die aktuelle Krise im Nahen Osten interessieren!


Quellennachweis:

Kafr Bir'im
Kafr Bir'im ...das Kircheninnere...- Foto: Wikipedia - Autor: Ori~


1.: Die Informationen zur Geschichte von Bar'am basieren auf dem Artikel Bar'am (Stand vom 30.11.2019) aus der freien Enzyklopädie Wikipedia und stehen unter der GNU-Lizenz [34 KB] für freie Dokumentation. In der Wikipedia ist eine Liste der Autoren verfügbar.

Die Fotos "Titelfotos: Bir'im church; Bar'am synagogue; (2 Fotos) - Autor: Ori~" - "Ruinen des aramäisch-maronitisch-christlichem Dorf Kafr Bir'im - Autor: Anita" - "...antike Synagoge im Bar'am Nationalpark, Israel - Autor: Bukvoed" - "Ilan Pappe bei der Palästina-Konferenz vom 10. Juni 2017 in Frankfurt am Main - Autor: L.Willms" sind lizenziert unter der Creative Commons "Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Unported" Lizenz.


Fotos aus Bar'am

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